Konzeption

Das Kinderhaus in Peru – Konzeption

Entwicklungshilfe, ohne Abhängigkeit zu schaffen –

Team-Peruhilfe e.V. & Raymi

1. Warum Team- Peruhilfe e.V.?

1.1 Hintergrund und Entstehung von Team-Peruhilfe e.V.

Team-Peruhilfe e.V entstand durch die Freundschaft von Manuela Heger, Christina Hasenberger und Nora Niesel mit Augusto Alvizuri Berrocal. Diesen lernten wir 2006 während unserer Praktika in Kinderhilfsprojekten in Peru kennen. Gemeinsam beschlossen wir, selbst aktiv zu werden, um Kindern und Jugendlichen eine gute Begleitung, Betreuung, Bildung, Erziehung und Perspektiven zu ermöglichen.

Peru – ein wunderschönes Land, dessen Artenvielfalt unvergleichbar und dessen Reichtum an Natur unübertroffen ist – und trotzdem ist es eines der ärmsten Länder der Erde… Warum?

Dies ist die Frage und Überlegung, die sich uns unmittelbar aufdrängt. Warum sollte man ein Land mit so viel Reichtum unterstützen? Der einfache Grund lautet: die Nutznießung und Verteilung von Reichtum ist ungleich. Es gibt wenige Leute, die viel haben und es gibt viele Leute, die wenig oder fast nichts haben.

Der Aneignungsprozess des Reichtums von Seiten einiger weniger Leute bedeutet gleichzeitig einen sozialen Ausschließungsprozess einer großen Mehrheit von Personen, die trotz ihres Aufenthaltes in einem solch reichen Land von einem System ausgeschlossen bleiben, das ihnen keine Chancen gibt, sich persönlich sowie sozial zu entwickeln.

Während unseres dreimonatigen Aufenthalts in Peru konnten wir diese Ungerechtigkeit Tag für Tag erleben. Während der Praktika für Lehramtsstudenten/-innen arbeiteten wir in drei verschiedenen Projekten, in welchen wir mit Kindern, die aufgrund ihrer Armut täglich arbeiten müssen, um zu überleben, beisammen waren. Schon schnell wurde uns bewusst, dass der Bedarf an Einrichtungen für solche Kinder enorm ist. Diese Kinder brauchen einen Raum, in dem ihnen geholfen werden kann, in dem sie ein Leben entdecken können, das nicht nur aus Arbeit, Unterwerfung und Ausbeutung besteht. Denn die Kinder und Jugendlichen brauchen in erster Linie eine Art ´Anleitung´, die sie zu einem selbstbestimmten und selbstbewussten Leben führt und sie nicht in der Opferrolle resignieren lässt. Daher sollen sie begreifen lernen, dass sie begreifen, dass eine abgeschlossene Ausbildung das Tor zu einem besseren Leben ist. Zwar besteht in Peru die Schulpflicht für die ´educaccion elementar´, also die Grundausbildung. Diese wird jedoch nicht sehr streng genommen. Oft ist es den Kindern gar nicht möglich, zur Schule zu gehen, da sie zuhause mithelfen oder selbst Geld verdienen müssen. Viele Kinder gehen nicht zur Schule und ein hoher Anteil der Kinder und Jugendlichen muss arbeiten. Auf dem Land macht kaum ein Kind seinen Schulabschluss.

All das hat uns dazu geführt, selbst ein Projekt in Peru zu gründen – denn jeder kann ein wenig tun, um die Welt auch nur ein winziges bisschen lebenswerter zu machen.

 

1.2 Soziale Situation vor Ort (in Peru)

Das von Team-Peruhilfe e.V. (in Zusammenarbeit mit RAYMI) gegründete und unterstützte Kinderhaus CASA DANIELA liegt in Nuevo Lurin, ca. 40 km südlich von Lima, an der Panamericana. Im zugehörigen Distrikt Lurin wohnen ca. 62940 Personen, in Nuevo Lurin ca. 50 Familien. Ein zentrales Problem in Peru ist die Bevölkerungskonzentration in der Hauptstadt, da eine große Mehrheit von Personen mit andinischer Herkunft – einerseits vertrieben durch politische Gewalt, andererseits auf der Suche nach neue Chancen – in den Großraum Lima kommen. Dabei erfüllen sich jedoch keineswegs ihre Träume nach einer rosigen Zukunft, sondern sie stehen vor vielen Schwierigkeiten. Allein schon eine Unterkunft zu finden, gestaltet sich schwierig: sie wohnen meist in Häusern ohne grundlegende Versorgungen wie Wasser, Abfluss und Strom.

 

Das oben eingefügte Bild zeigt eine Straße in Nuevo Lurín. Hier wohnen viele der Kinder, die ins Projekt (Kinderhaus CASA DANIELA) kommen. Im Regelfall arbeiten diese Kinder als Bauarbeiterhelfer, Maler, Verkäufer, Fischer oder in der Stadt als Autoputzer, um ein bisschen Trinkgeld zu verdienen. Da diese Tätigkeiten ohne rechtliche Grundlage sowie sind und somit keine dauerhafte Sicherung bieten, haben sie kein festes und langfristiges Einkommen, um Pläne für die Zukunft zu machen. Sie haben lediglich Geld, um zu überleben und eventuell für das ein oder andere Schulheft.
 Viele Familien können ihre Kinder keine weitergehende Bildung anbieten als bestenfalls die Grundschule. Die wenigsten haben Zugang zum Abitur oder zum Universitätsstudium, denn dafür bräuchte man viel Geld. Sowohl die Kinder, die mit der Mittelschule fertig werden als auch diejenigen, die es nicht schaffen, üben verschiedenste Tätigkeiten wie oben beschrieben aus, um zu überleben und auch ihre Eltern und Geschwister zu unterstützen.
 Es gibt in Nuevo Lurín keinen Ort (Bibliothek oder ähnliches), an dem die Kinder ihre Hausaufgaben erledigen und ihrer Neugierde weiter nachgehen könnten. Im ganzen Distrikt gibt es keinen einzigen Spielplatz. Dies ist ein Zeichen dafür, dass die örtlichen Politiker sich nicht sonderlich um das Wohl der Kinder kümmern. Ausnahme sind wenige Schulen, die allerdings nicht einmal über Ab- und Zuwasser verfügen, geschweige denn über adäquate Lern- und Lehrmöglichkeiten.

Die Kinder der ca. 50 Familien in Nuevo Lurín, die das CASA DANIELA besuchen, kommen vor allem aus Familien, die aus den Andengegenden um Ayacucho, Huancavelica, Cusco und Huancayo ausgewandert sind, wobei die Kinder meist schon in Nuevo Lurín geboren sind.

Das Kinderhaus CASA DANIELA sieht sich als Ort, an welchem den Kindern Aufmerksamkeit, Motivation  sowie Fähigkeits- und Persönlichkeitsförderung geboten werden und sie ihr Wissen, sowie auch ihren Stolz über ihre Kultur und ihre Traditionen zurückgewinnen können.

2. Team-Peruhilfe e.V. und Raymi

2.1 Was ist Team-Peruhilfe e.V.

Wir sind ein eingetragener, gemeinnütziger Verein. Team-Peruhilfe e.V arbeitet mit der peruanischen Partnerorganisation „Zentrum für soziale Förderung und kulturelle Behauptung Raymi“ zusammen. Der Verein ist konfessionell und politisch unabhängig und wird ausschließlich getragen von ehrenamtlichen Mitarbeitern, die sich Organisation, Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit und Spenderbetreuung teilen.

Gemeinsam haben die beiden Vereine sich das Ziel gesetzt, ein Kinderhaus, das ´CASA DANIELA´ in Nuevo Lurín (Großraum Lima) zu errichten, um dort die Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen und so in Zukunft auch ihre Ausbildungs- und Berufschancen zu erhöhen. So wollen wir die Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen verbessern und ihnen positivere Zukunftsperspektiven ermöglichen, immer bedacht unter der Voraussetzung, ihre Kultur und ihre eigenen Werte zu schätzen, zu respektieren und zu fördern.

2.2 Was ist RAYMI?

Der Verein Raymi wurde im Januar 2007 gegründet. Das Wort ´Raymi´ bedeutet auf Quechua ´Fest´, ´Feier des Lebens´. In Peru sind alle Aktivitäten des Lebens kulturell sehr mit rituellen und festlichen Traditionen verbunden. Auf diesem Fundament wollen die Mitglieder von Raymi und Team-Peruhilfe e.V. das Kinderprojekt aufbauen.
 Raymi will kulturelle Identität behaupten. Auf diese Weise können die großen Potentiale, die die peruanische Bevölkerung als Erben einer tausendjährigen Kultur besitzen, in das Blickfeld gerückt werden und gegenüber der urbanen Übermacht an Bedeutung gewinnen. Die Kinder brauchen nicht in erster Linie materielle Dinge, um ein Leben in Bequemlichkeit zu führen, da eine solche ´Hilfe´ nicht dazu beitragen würde, die eigenen Fähigkeiten und die Selbstbestimmung zu verstärken, sondern lediglich Abhängigkeit und Bevorzugung erzeugen würde. Raymi will daher durch das Kinderhaus in Nuevo Lurín (Großraum Lima), das von Team-Peruhilfe e.V. unterstützt wird, einen Raum schaffen, in dem Kinder, Jugendliche, ihre Eltern und die Gemeinde, in der sie integriert sind, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln, ihre Rechte stärken und dadurch  ihre Lebensqualität verbessern können, unter der Voraussetzung, ihre Kultur und eigenen Werte zu respektieren (anstatt nur Hilfe durch materielle Güter bzw. Aufoktroyieren kulturfremder Werte zu leisten). Eine solche Arbeit muss bei den Kindern anfangen, um Einstellungen zu verwurzeln, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten zu fördern und ein Bewusstsein für ihre Rechte, ihre Kultur, die Gemeinschaftlichkeit und die Notwendigkeit von Eigeninitiative zu schaffen. Das Kinderhaus soll dabei keine pädagogische, ´elitäre´ Auswahl-Insel darstellen, sondern es soll, soweit möglich, die gesamte Gemeinde immer wieder integriert werden, um das Kinderhaus zu öffnen und positiv in der Bevölkerung zu verankern. Vorwiegend wird mit den Kindern und Jugendlichen gearbeitet, aber immer unter Einbezug der Eltern und der Gemeinde, denn alle sollen sich nach Möglichkeit und Fähigkeiten einbringen können. Es müssen Wege gefunden werden, wie bzw. in welchem Rahmen dies zu verwirklichen ist. Das Ziel ist es, die Kinder und Jugendlichen zu begleiten, zu unterstützen und sie zur Selbsthilfe und Selbstbestimmung zu leiten.

2.3 Grundsätze der Zusammenarbeit

Die Mitglieder von Team-Peruhilfe e.V. und Raymi arbeiten in gegenseitiger Wertschätzung, Anerkennung sowie gegenseitigem Respekt und Vertrauen zusammen und verfolgen das Ziel, das Projekt und alles damit Verbundene in gemeinsamer Absprache transparent zu gestalten.

2.4 Die Stärken von Team-Peruhilfe e.V.

  • Förderung von Kindern (pädagogische Arbeit)
  • Persönliches Engagement der Vereinsmitglieder
  • Kleines Projekt
  • Direkte Information und Kommunikation/Persönlich gestalteter Kontakt zu den Spendern
  • Persönliche Spenderbetreuung/Möglichkeit über Gespräch und Homepage unmittelbar zu erleben, was mit den Spenden gemacht wird
  • Regelmäßige Teamsitzung in München
  • Sehr direkte Hilfe ohne große Bürokratie: fast 100% der Spenden gehen in das Projekt, da kein Verwaltungsaufwand, außer Auslandsüberweisungsgebühren

 

3. Umsetzung vor Ort (Kinderhaus ´CASA DANIELA´)

Der Schwerpunkt unseres Projektes liegt in der Kinder- und Jugendarbeit. Folgende Ziele sind vorrangig:

  • Ausbau/Unterhalt des Kinderhauses CASA DANIELA in der Siedlung Nuevo Lurín
  • Pädagogische Arbeit mit Kindergruppen

Weitere Zielsetzungen:

  • Förderung der individuellen Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen zur Ermöglichen einer selbstbestimmten und selbstbewussten Lebensführung
  • Stärkung der Rechte der Kinder und Jugendlichen
  • Abbau der Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern
  • Förderung von Tradition und Kultur im Bewusstsein der Kinder und Jugendlichen

Konkret bedeutet dies:

  • Förderung von sprachlichen und mathematischen Fähigkeiten
  • Musikalische und sportliche Aktivitäten
  • Individuelle Angebote und Gruppenangebote
  • Arbeit mit den Eltern
  • Später: Berufsvorbereitende Workshops und Berufsausbildung
  • Später: Förderung der praktischen, außerschulischen Ausbildung durch verschiedene Werkstätten
  • Workshops, um die Gleichheit zwischen den Geschlechtern bezüglich gesellschaftlicher Stellung, Rechte und Arbeit im Bewusstsein zu verankern und zu fördern
  • Workshops für die Eltern, um sie über Rechte der Kinder und den Umgang mit Kindern und Jugendlichen aufzuklären

So werden die Kinder und Jugendlichen durch Ansprechpartner, Betreuung und Förderung, Ausbildung allgemeiner und spezieller Fertigkeiten und Stärkung ihrer Rechte unterstützt. Auch soll der Dorfgemeinschaft ein Versammlungsraum gegeben werden, um dort Besprechungen, aber auch Feste veranstalten zu können. Bisher gibt es keine Einrichtung vor Ort, die dies ermöglicht.

Das Kinderhaus CASA DANIELA soll durch seine Atmosphäre zum Lernen, Spielen, Kind-Sein einladen. Die verschiedenen pädagogischen Angebote sollen wichtige Inhalte vermitteln, Begabungen  und Neigungen wecken, Talente fördern und Perspektiven öffnen. Dafür werden auch das soziale Umfeld der Kinder und Jugendlichen, die Eltern und die gesamte Gemeinde Nuevo Lurín in die Arbeit mit einbezogen.

Die pädagogische Arbeit mit den Kindern soll mehrmals pro Woche, soweit möglich, in ´festen´ Gruppen stattfinden. Generell soll das CASA DANIELA ein offenes Angebot für alle Kinder sein, es soll ihnen und der Gemeinde gehören!
 Inhalte sind Hausaufgabenbetreuung, spielerisches Lernen. Vertiefungskurse zu schulischen Kulturtechniken (Rechnen, Schreiben, Lesen) sowie künstlerisch und ästhetische Angebote (Sport, Musik, Kunst).

Besonderen Wert wird darauf gelegt, dass die Kinder mitmachen und selbst mitentscheiden können, was von der Wahl der Farben zur Hausgestaltung bis zu Mitbestimmung aufgrund ihrer eigenen Interessen bei den Kursinhalten geht. Auch finden Sitzungen mit den Bewohnern statt,  um deren persönliche Wünsche, Ideen und Anregungen mit einzubeziehen.
Treffen aller Eltern finden ebenfalls statt, bei welchen über die Probleme der Kinder oder Themen wie Gesundheitsaufklärung und Kinderrechte gesprochen wird. Außerdem findet regelmäßig eine gemeindeweite Aktivität statt, um das Kinderhaus und unser pädagogisches Anliegen in die Gemeinde zu integrieren. Durch den Anbau von Blumen, Sträuchern und Bäumen und das Anlegen eines Spielplatzes soll CASA DANIELA ein  wohnlicher, einladender Ort für Kinder, Jugendliche, Eltern und Mitglieder der Gemeinde werden. Geplant ist in Zukunft auch eine Zusammenarbeit mit der ortsansässigen Künstlergemeinde (artesanos), die durch Workshops in den geplanten Werkräumen den Kindern die peruanische Kultur und das Herstellen von Kunsthandwerk (artesania) vermitteln. Gleichzeitig werden dadurch auch z.B. Feinmotorik, Geduld und Ausdauer eingeübt.

 

4. Weitere Gedanken

4.1 Team-Peruhilfe und Interkulturalität

Unser Selbstverständnis ist von unseren kulturellen Prägungen, durch unsere Sozialisation und durch unsere Einstellungen zu unserer Umwelt, sowie zu uns selbst, aber auch durch Kritik, Offenheit, Neugierde, Zweifel und Interesse gegenüber anderen und anderem geprägt. Zunächst einmal muss man sich über sein ´Selbst´ bewusst werden sich bewusst machen, dass unterschiedliche Sozialisationen und andere wirtschaftliche, sozioökonomische und kulturelle Hintergründe unser Bild von den anderen und das Bild der anderen von uns sehr wohl beeinflusst! Es wäre naiv zu glauben, dass man aus komplett verschiedenen Perspektiven dasselbe Bild sieht. Um auf möglichst horizontaler Ebene miteinander kommunizieren zu können, muss man über die Lebensumstände der anderen Bescheid wissen und versuchen, sich in sie einzufühlen (Empathiefähigkeit). Besonders bei der interkulturellen Kommunikation mit einem Entwicklungsland wie Peru, welches einen komplett anderen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Hintergrund hat, als beispielsweise Deutschland, muss man sehr vorsichtig sein, dass man nicht in ein Über- bzw. Unterordnungsdenken verfällt. Oft löst Armut bei wirtschaftlich besser gestellten Menschen Mitleid aus und man will helfen. Jedoch muss man sich fragen: „Kann ich überhaupt helfen?“ „Wenn ja, bringt meine Hilfe wirklich was?“ und schließlich: „Wird meine Hilfe denn auch gewollt?“ oder „Wie wird sie gewollt?“ Leider erzeugt die Hilfe aus der europäischen Position oft eher Bevormundung sowie die Verwirklichung eigener Interessen. Äußerst selten geschieht dies natürlich aus böser Absicht, dennoch verfällt man nur allzu leicht in dieses Muster.

Team-Peruhilfe e.V. möchte dieser Hierarchie zwischen Europa und Lateinamerika entgegentreten. Für uns ist die Kommunikation auf horizontaler Ebene, sowie Transparenz, Vertrauen und regelmäßiger gegenseitiger Austausch der Ausgangspunkt und die Bedingung für jede Art von Zusammenarbeit und Hilfe. Unser Partner vor Ort hat selbstverständlich mehr Einblick in die Situation vor Ort und ein besseres Gefühl dafür, was die Kinder und deren Verwandte brauchen und wollen. Auch die Kinder des Projekts sollen gefördert werden, um bei Entscheidungen mitzubestimmen.

Die Achtung gegenüber den Anderen ist Voraussetzung dafür, dass man auf horizontaler Ebene Zusammenarbeit und sich gegenseitig unterstützt und berät. Denn lernen kann jeder von dem jeweils anderen.

Allen, die lernen wollen, soll zu jedem Zeitpunkt ihres Lebens Zugang zu vorhandenen Möglichkeiten gegeben werden, d.h. die

Ausstattung und Selbstbegrenzung der Menschen mit technischen und kommunikativen Werkzeugen im Rahmen einer wissenschaftlichen Subsistenzwirtschaft. Weiter sollen alle in die Lage versetzt werden, ihr Wissen zu teilen; Sie sollen mit Verantwortung über ihr Lernen und Lehren ausgestattet werden und voneinander sowie miteinander lernen .

Besonders wichtig ist hierbei die Kommunikation untereinander. Leider kommt es dabei aufgrund von kultureller Ignoranz, Eigeninteresse, mangelnder Einsicht und Reflektionsproblematiken immer wieder zu einem verfehlten kulturellen Zusammentreffen (descuentro cultural). Das „Sichtbarmachen der vielfältigen gesellschaftlichen (und kulturellen, A.d.V.)

Differenzlinien und ihrer Bedeutung für die individuelle Selbstverortung“ kann ein solches verringern. Zentral ist die „Reflexionskompetenz“ , also die Fähigkeit, anzuerkennen, dass jeder Mensch von kulturellen Werten, Normen und Einstellungen, welche sein Selbst- und Fremdbild bestimmen, beeinflusst ist. Diese unterschiedlichen Weltanschauungen treffen selbstverständlich bei der Zusammenarbeit zweier Partnervereine -der eine aus der südlichen Hemisphäre, der andere aus der Nördlichen -zusammen. Wiederum muss die Wichtigkeit der Kommunikation, der gegenseitigen Wertschätzung und die transparente Arbeitsweise für das Aufklären von Missverständnissen und das Gelingen interkultureller Zusammenarbeit unterstrichen werden. Selbstreflexion meint hieran anschließend die Notwendigkeit seinen eigenen Standpunkt und sein Denken, seine Handlungen immer wieder zu überdenken und diesen nicht als Maß aller Dinge zu betrachten und durchzusetzen. Interkulturelle Kommunikation ist die Antwort auf kulturelle Exklusion und Diskriminierung, welche besonders nicht-westliche Gesellschaften erleiden, und präsentiert sich somit als Möglichkeit der interkulturellen Verständigung und als Abweichen der strikten Dichotomie ´reicher europäischer Westen´ und ´armer bemitleidenswerter Süden´.

Kultur ist als Vielfalt, als eine Pluralität an Formen, als ein Prozess und als etwas, wo es nicht das eine Richtige gibt zu verstehen. Der Austausch mit den anderen im Sinne von ´Nachfühlen´, Empathie und ´zu verstehen versuchen´ ist als wechselseitige Bereicherung und Anerkennung der kulturellen Diversität zu verstehen. Bei diesem Prozess der interkulturellen Kommunikation müssen Identität und Raum der ´Anderen´ bewahrt werden, selbst wenn man sie (aus der eigenen kulturell determinierten Perspektive) nicht direkt verstehen und nachvollziehen kann. Gemeinsame Reflexion über Aktivitäten, Ziele, Wünsche und Probleme bei der Zusammenarbeit fördert das Entstehen einer gemeinsamen Grundbegrifflichkeit, in denen Konzepte der beiden Perspektiven zusammenlaufen können. Natürlich besteht hier immer die Gefahr, dass diese Perspektivlinien nicht zusammen- sondern weiter auseinander laufen, jedoch ohne eine Öffnung zu wagen, kann die kulturelle Realität des ´Anderen´ dem ´Einen´ nie offenbar werden. Das Riskieren des Aufeinanderzugehens wird also in jedem Fall die Empathiefähigkeit und den kulturellen Horizont erweitern.

4.2 Thema Kinderarbeit – Positionierung von Team-Peruhilfe e.V.

Die Kindheit sollte im Leben eines Menschen ein Abschnitt sein, der Möglichkeiten bietet sich frei zu entfalten, Neues zu entdecken, zu spielen, zu lernen. ´Kind-Sein´ eben!

Kinderarbeit, also die erwerbswirtschaftliche Beschäftigung von Menschen unter 15 Jahren zur Sicherung des Lebensunterhaltes, passt in dieses Bild von Kindheit nicht. Darüber sind sich die Staaten der Erde einig und haben dies im Jahre 1999 in der UN-Kinderrechtskonvention verankert

(Artikel 32): „Jedes Kind hat das Recht, vor wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt zu werden.“

Die Wirklichkeit zeigt jedoch ein anderes Bild, denn nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) müssen weltweit rund 166 Millionen Kinder arbeiten, davon ca. 70 Millionen unter ausbeuterischen und oft gesundheitsschädlichen Bedingungen, häufig bis zu 16 Stunden am Tag.

Während früher die Maßnahmen der Regierungen und Nichtregierungsorganisationen darauf abzielten, Kinderarbeit gänzlich abzuschaffen, geht man immer mehr dazu über gewisse Formen von Kinderarbeit zu akzeptieren. Wer Kinderarbeit grundsätzlich verteufelt, ignoriert die speziellen Gegebenheiten eines Landes und blendet dabei aus, dass der Beitrag des Kindes zum Familieneinkommen durchaus positive Seiten haben kann.

Vordergründig sei hier natürlich die Sicherung des Überlebens durch die Möglichkeit zum Kauf von Grundnahrungsmitteln genannt, weiterhin aber auch die selbstständige Finanzierung eines Schulbesuchs, der oftmals ohne diesen Zuverdienst gar nicht erst möglich werden würde. Denn auch wenn sich viele Schwellen- und Entwicklungsländer mit einem ´Zugang zu kostenlosen Schulausbildung für Alle! ´ rühmen, die nebenher anfallenden Kosten für Schuluniformen, Hefte, Stifte etc. stellen für viele erhebliche Kosten dar, die einen Schulbesuch unmöglich machen. Weiterhin können die Kinder durch ihre Arbeit auch bestimmte Fähigkeiten, Selbstbewusstsein und soziale Verantwortungsbereitschaft entwickeln, da sie erkennen, dass sie durch ihren ganz persönlichen Einsatz, für sich und für andere etwas erreichen können.

Zahlreiche Experten aus den Reihen von Hilfsorganisationen teilen daher die Meinung, dass ein generelles Verbot von Kinderarbeit unterm Strich mehr Nach- als Vorteile hätte. (Weiterhin und ohne Ausnahme zu bekämpfen sind selbstverständlich die schlimmsten Formen von Kinderarbeit, wie Kinderprostitution oder der Einsatz als Kindersoldaten.)

Der Schwerpunkt liegt deshalb gegenwärtig häufig darauf, die arbeitenden Kinder zu schützen und ihre Arbeitssituation verbessern. Durch gewerkschaftsähnliche Verbände soll Ausbeutung vermieden und eine altersgemäße Beanspruchung, ein begleitender Schulbesuch sowie eine angemessene Entlohnung garantiert werden.

Beispiele für solche Verbände sind z.B. NNATs (Niños, Niñas y Adolescentes Trabajadores) und Manthoc (Movimiento de Niños Trabajadores Hijos de Obreros Cristianos für „Bewegung arbeitender Kinder und Jugendlicher“). Letztgenannte Vereinigung ist Lima (Peru) tätig und wurde bereits 1976 gegründet.

Während viele Organisationen diese Neubewertung von Kinderarbeit vornehmen, bleibt die ILO weitestgehend ihrem Standpunkt treu, dass Kinderarbeit unvereinbar mit schulischer Bildung ist und somit ein Entwicklungshindernis darstellt, welches wirtschaftliches Wachstum und die Überwindung von Armut hemmt. Kritiker werfen der ILO vor, dass durch diese internationale Ächtung der Kinderarbeit und durch unüberlegte Boykottmaßnahmen, die jungen Arbeiter in die Illegalität getrieben werden, wo sie erst recht zu Opfern werden und noch leichter auszubeuten sind.

Als Verein, der in Peru tätig ist, also in einem Land in dem arbeitende Kinder das Straßenbild prägen, ist es unser Anliegen und wohl auch unsere Pflicht unseren Standpunkt zu dieser Kontroverse kurz darzulegen. Unser oberstes Ziel ist das Wohl der Kinder. Dabei erkennen wir Kinderarbeit in Peru als gegebenen Umstand an. An diesen Gegebenheiten müssen wir uns orientieren und unsere Arbeit sinnvoll und effektiv darauf abstimmen.

Durch gezielte Bildungs- und Erziehungsmaßnahmen wollen wir insbesondere die arbeitenden Kinder fördern und ihre Lebenssituation verbessern und somit letztlich einen Ausweg aus der Armut bieten.

Wenn uns dies gelingt, verbessern wir auch die Situation der nachfolgenden Generationen und können auf diese Weise dazu beitragen, dass diese gar mehr gezwungen sind, bereits im Kindesalter zu arbeiten.

Insgesamt teilen wir die Ansicht, dass der erste und wichtigste Schritt sein muss, die Ausbeutung der kleinen Arbeiter/-innen zu verhindern.

Wir sind grundsätzlich gegen Kinderarbeit, sind uns aber sehr wohl der Problematik bewusst und wollen uns deswegen für würdige Bedingungen einsetzen. Aus diesem Grund wird im Kinderhaus CASA DANIELA versucht, die Förderung allgemeiner Fähigkeiten (wie Selbstbewusstsein) als auch die Förderung einer Grundbildung (z.B. Kulturtechniken) mit der Förderung handwerklicher Tätigkeiten zu verbinden. Indem die Kinder lernen, Kunsthandwerk (Artesania) herzustellen, bleiben sie zum einen ihrer Kultur verbunden, erlernen weiterhin eine Arbeit, mit der sie später eventuell ihr Leben bestreiten können.Zum anderen können durch die pädagogisch geführte Herangehensweise z.B. feinmotorische Fähigkeiten trainiert werden. Durch den Erlös des Verkaufs der im Kinderhaus hergestellten Produkte werden das Projekt und die Familien unterstützt.