2009/12/24 – SZ Jugendseite

Bunte Wände, bessere Zukunft

von Verena Noflatscher (Jahrgang 1986)

Letzte Woche

Nora Niesel (24) hat ein Hilfsprojekt in Peru initiiert. Sie hat sich so sehr für das Projekt Casa Daniela begeistert, dass sie jetzt das Angenehme mit dem Nützlichen verbindet – sie schreibt darüber ihre Zulassungsarbeit.

Wer an Weihnachten gemütlich zu Hause unter dem Weihnachtsbaum sitzt, kann sich kaum vorstellen, dass es am anderen Ende der Welt Kinder gibt, die diese Zeit nicht in solcher Idylle erleben. Doch es gibt auch Menschen, die sich für diese Kinder einsetzen. Nora Niesel (24) aus Dießen am Ammersee zum Beispiel. Noch bis zum 24. Dezember verweilt sie in Peru, arbeitet mit im Projekt von Team-Peruhilfe, das sie nach einem Praktikum vor drei Jahren gemeinsam mit ihren beiden Freundinnen Christina Hasenberger und Manuela Heger gegründet hat.
Die Idee war, für die Kinder in der Gemeinde Nuevo Lurin in der Nähe von Lima einen Ort zu schaffen, an dem sie wieder Kind sein können: Casa Daniela. Hier können die Kinder spielen, basteln und vor allem lernen. Denn eine Schulausbildung ist in einem Land, in dem jedes Kind auch eine Arbeitskraft bedeutet, nicht üblich – und auch für viele Familien nicht finanzierbar.
Neben der Arbeit im Projekt schreibt Nora Niesel dort auch ihre Zulassungsarbeit für ihr Lehramtsstudium. „Da wir sehr viel für das Projekt machen und ich gemerkt habe, dass ich mich dafür wirklich begeistere, kam ich auf die Idee, die Projektarbeit mit meiner Zulassungsarbeit zu kombinieren“, sagt Nora. Das Thema: „Interkulturelle Bildung und Entwicklungsarbeit – wie kann man sinnvoll helfen, ohne dabei Abhängigkeiten zu schaffen.“
Das ist auch ein zentraler Punkt in der Arbeit von Team-Peruhilfe: Hilfe zur Selbsthilfe ist das Motto, nach dem die Gruppe arbeitet. Denn durch das Hilfsprojekt sollen die Kinder nicht nur kurzfristig unterstützt werden, es soll ein Zentrum für die ganze Gemeinde gegründet werden. „Die Einbeziehung der Gemeinde ist für uns sehr wichtig“, sagt Nora, „denn nur, wenn alle das Projekt unterstützen und das Projekt für alle offen ist, kann daraus etwas werden, das auch in der Zukunft besteht.“ Neben dem Unterricht, der von einer Pädagogin bisher einmal in der Woche angeboten wird, werden die Kinder in die Gestaltung des Hauses und des Grundstücks miteinbezogen. So wurde ein Garten mit einer Schaukel angelegt, der einerseits die Außenanlage verschönert, andererseits aber wieder als Unterrichtsmaterial dient. Die Kinder lernen auf diese Weise, was gesunde Ernährung bedeutet, wie Pflanzen richtig gepflegt werden. „Die Schaukel im Garten ist für alle das Größte, es gibt sonst keinen Spielplatz und hier können sich die Kinder so richtig austoben“, sagt Nora.
In Zukunft soll noch mehr am Haus gemacht werden. Das Dach ist bisher nur provisorisch, die Räume müssen noch vollständig ausgebaut werden und die pädagogische Arbeit soll regelmäßig stattfinden können. Außerdem soll in Zusammenarbeit mit einer Künstlergemeinde aus der Nachbarschaft den Kindern noch mehr praktisches Wissen vermittelt werden.
„Es gibt noch einiges zu tun, aber ich bin jetzt schon total begeistert von dem, was entstanden ist“, sagt Nora: „Das Schönste ist, wenn die Kinder mit leuchtenden Augen vor dir stehen und von Casa Daniela schwärmen und erklären, dass sie sich zu Weihnachten bunte Wände für das Haus wünschen.“